Inoffizieller Berichte
Inoffizieller Bericht aus der Guten Alten Zeit
Siehe auch Haferburg: Wohn-Haft 2013, Rüdiger: Astronomen, Akten und Affären.
Vom Anfang zum Ende des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam 2024,
Raschka: Am Ende des realen Sozialismus Bd5. Zwischen Überwachung und Repression - Politische Verfolgung
in der DDR 1971 bis 1989, 2001,
Harald Fritzsch: Flucht aus Leipzig 1990, erweiterte Neuauflage 2004 und
Adam, Erdmann, Henkel, Scholz: Sperrgebiete in der DDR. Ein Atlas von Standorten des MfS, des MdI, des MfNV und der GSSD 2015
10% der Fläche der DDR waren militärisch gesperrt. 777 Kasernen der Sowjetarmee mit 337800 Soldaten + 208400 Angehörigen,
47 Flugplätze,
1000 Flugzeuge, 116 Truppenübungsplätze, 5000-7000 Kampfpanzer + 2350 SPWs. NVA 215000 Personen.
Stasi: 91.000 hauptamtliche Mitarbeiter und zwischen 110.000 bis 189.000 inoffizielle Mitarbeiter.
Liegenschaftsverzeichnis mit 6000 Liegenschaften.
online BFi_34_Sperrgebiete_Auflage_03_barrierearm.pdf und
Reinhard Buthmann: Versagtes Vertrauen. Wissenschaftler der DDR im Visier der Staatssicherheit 2020
Aus den bisherigen Berichten und Informationen der
Inoffiziellen Mitarbeiter "Peter Krüger", "Frank Kri(z)eb" (bezirK)
und der Kontaktperson "Weber" geht hervor, daß Schwarz, Udo
sich sehr für ideologische und vor allem kulturpolitische
Probleme interessiert ...
Bei Diskussionen mit Studenten über Stefan Heym äußerte er
u.a. sein Unverständnis über die Kritik an den
Schriftstellern Heym, Schneider und Kunert.
Er stehe voll hinter den Anschauungen dieser
Schriftsteller.
Schwarz, Udo empfängt an Sonntagen, wenn die anderen Studenten
seines Zimmers nicht anwesend sind, regelmäßig Sendungen
vom SFB oder RIAS, die sich mit dem kulturellen Leben in
der DDR befassen.
Teilweise schneidet er diese Sendungen auf Tonband mit
bzw. macht schriftliche Aufzeichnungen.
Über diese Probleme spricht er dann auch mit anderen
Studenten (Information stammt von "Peter Krüger").
Vor den Wahlen am 20.5.1979 äußerte Schwarz die Meinung,
daß bei uns nur systemkonforme Menschen erzogen werden.
Seiner Auffassung nach darf man speziell an der Sektion
Mathematik/Physik nicht frei seine Meinung äußern, da
man Konsequenzen befürchten muß.
Aus diesen Gründen wollte er eigentlich nicht zur Wahl
gehen, ist aber dann doch gegangen, weil er `sonst
sein Studium als beendet betrachten kann.'
Offiziell tritt Schwarz, Udo in Diskussionen positiv in
Erscheinung.
Er ist Mitglied der Sektionsleitung der FDJ und dort
für die wissenschaftliche Arbeit verantwortlich ...
Zur politischen Entwicklung des Schwarz, Udo ist
festzuhalten, daß er bis zur Ablegung des Abiturs in
offiziellen Beurteilungen als gesellschaftlich und
politisch inaktiv eingeschätzt wurde ...
Zu berücksichtigen dabei ist, daß er sich zuerst um
ein Studium an der TU Dresden bewarb und dort die
Ablehnung u.a. wegen seiner gesellschaftlichen
Inaktivität erfolgte.
Schwarz, Udo wurde im Mai 1979 angesprochen, ob er
Kandidat der SED werden möchte.
Er lehnte ab mit der Begründung, daß er teilweise
andere Ansichten vertritt
(Siehe: Stasi-Akte 337/85, Seite 29 f.).
Stasi-Akte 337/85, Seite 1F:
"Mit dem IM-Vorlauf wurde am 3.7.1984
das Werbungsgespräch durchgeführt.
Im Verlauf des Gesprächs lehnte der IM-Vorlauf die
inoffizielle Zusammenarbeit mit dem M(inisterium)
f(ür) S(taatssicherheit) ab.
Er begründete seine Ablehnung mit seinem angeblichen
Unvermögen, schweigen zu können.
Die zum IM-Vorlauf bekanntgewordenen operativen
Hinweise machen es erforderlich, den IM-Vorlauf zu
archivieren und Schwarz unter operative Personenkontrolle
(Stasi-Akte 266/85 oder 1388/88
für den Zeitraum 20. Februar 1985 bis 17. Juni 1988)
zu stellen."
IM-Bericht von ``Ellen'' (=I.F.) vom 11.9.1984
ueber Albert (=Udo Schwarz)
Es ist der IM nicht bekannt, dass Albert im Grenzgebiet verhaftet worden war.
...
Er sollte fuer seine Taetigkeit als FDJ-Sekretaer ausgezeichnet werden.
Die IM sprach sich zusammen mit Dr. C. dagegen aus, weil ihm damit bescheinigt worden
waere, als FDJ-Sekretaer der Sektion (Mathematik-Physik) sich bewaehrt zu haben.
Damit waere eine Voraussetzung erfuellt gewesen, ihn in ein unbefristetes
(Arbeits)-Verhaeltnis zu uebernehmen.
Nach Ansicht der IM sollte man davon Abstand nehmen!
Albert musste vor der APL (=Abteilungsparteileitung) der Sektion (Mathematik-Physik)
einen Bericht ueber die FDJ-Initiative und zu politisch-ideologischen Problemen geben.
Er beschraenkte sich auf rein organisatorische Probleme, politisch-ideologische
konnte er nicht anfuehren. Nach Meinung der IM spricht das auch wieder fuer politische
Unreife seinerseits.
Juergen
Detaillierte Informationen geben
Peter Krüger (IMS), Frank Kir(z)eb (IMS), Frank Zoschke (IMS), Jochen (IMS),
Weber (KP), Klaus Lange, Ellen, Querulant, Michael Jonus (IMS).
Udo Schwarz,
Email: Udo.Schwarz@Uni-Potsdam.de, Tel. (0331) 977-1658